Green Spin

Posted on September 6, 2016 · Posted in Interview, start up company

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Das Interview mit Green Spin fand am 24. April 2014 in den Projekträumen der Universität Würzburg statt. Im selben Gebäude, nur ein paar Stockwerke tiefer, und auf dem Weg nach oben, in einem der unscheinbaren Räume liegt noch das Büro für internationale Studienangelegenheiten. Sebastian Fritsch zeigte mir noch einige Details der Technik, bevor wir uns langsam mit Kaffee, Kuchen und den ersten Fragen zu den Ideen Ihres Start-ups bewegten.

Seit Februar 2013 umkreist und fotografiert die achte Generation von Landsat-Satelliten Bilder der Erdoberfläche. Die Entscheidung, Satelliten für die Erdbeobachtung einzusetzen, fiel Anfang der 1960er Jahre, als die Frage der kontrollierten Nutzung natürlicher Ressourcen stärker diskutiert wurde. Zu dieser Zeit wurde das erste satellitengestützte Weltraumprogramm entwickelt, um die globalen Ressourcen kontinuierlich zu überwachen. Seit dieser Zeit hat die NASA mehrere Satelliten in die Umlaufbahn gebracht, um Ereignisse auf der Erde umfassend zu analysieren. Die Landsat-Serie folgte 1972 und konnte multispektrale Daten von der Erde erfassen, zunächst mit einer Auflösung von 80 Metern und seit der Landsat 7-Serie sogar mit einer Auflösung von bis zu 15 Metern.

Heute ist dieses NASA-Satellitensystem für die meisten multispektralen Bilder in der Welt verantwortlich.

Die Landsat-Serie hat im Laufe der Jahre viele konzeptionelle Phasen durchlaufen. Zum Beispiel wurde 1985 das Satellitenprogramm privatisiert und für mehrere Millionen Dollar an Unternehmen verkauft. Im Jahr 2001 gab es etwa 25.000 Landsat-Bilder, die im Durchschnitt rund 600 Dollar kosteten, während es 2010 bereits 2,5 Millionen Landsat-Bilder gab, die aber fortan kostenlos angeboten wurden.

Die Erfahrung der EOSAT-Privatisierung der Landsat-Satelliten zwischen 1985 und 1992 hat jedoch gezeigt, dass keine kommerzielle Nutzung die notwendigen Einnahmen generiert, um die NASA profitabel zu machen. Der Senat bekräftigte die Bedeutung dieser Technologie Ende des Jahres, und das Landsat-Programm war wieder Teil der NASA. Die Landsat Satellitenbilder werden heute für eine Vielzahl von Auswertungen verwendet und können mit minimalen Voraussetzungen wie dem NASA World Wind Programm abgerufen werden. Während die Landsat 1-Serie nur zwei verschiedene Bildvarianten reproduzieren konnte, verfügt die Landsat-Serie nun über Infrarot- und Wärmesensoren sowie radiometrische Kapazitäten. Viele größere Naturkatastrophen wären ohne die Verwendung dieser Satelliten viel schwieriger zu kontrollieren als dies bereits der Fall ist, da die Kartographie nie genau genug sein kann.

Mit ESPUSPACE bietet die ESA eine ähnliche Möglichkeit, sich mit den Satellitentechniken vertraut zu machen, die nach 12 Jahren Nutzung dann im Jahr 2010 überarbeitet wurden und nun mit den führenden Softwareangeboten kompatibel sind. Einer der ersten Programmdirektor der NASA, der auch für die kontinuierliche Beobachtung der Erde verantwortlich ist, war William Pecora, ein renommierter Geologe, der eine Methode der Erdbeobachtung entwickelt hat, die sowohl die natürlichen und die vom Menschen geschaffene Ressourcen überwachen kann. Seitdem wurden Milliarden von Datenbits gesendet.

Die Australian Space Agency beispielsweise nutzt seit Jahrzehnten Informationen für sogenannte Black Data, die sie seit 1979 von Landsat-Satelliten erhalten hat und seit Jahrzehnten nicht mehr ausgewertet wurde.

Erst mit der Veröffentlichung des Landsat Archive Project standen diese Millionen von Rohdaten nun als Dateiformate zur Verfügung.

Zwei der drei Gründer von Green Spin, Dr. Sebastian Fritsch und Gunther Schorcht, waren zum Interview gekommen. Das Interview fand in einem der Büros der alten Leighton Barracks statt, die jetzt von der Universität Würzburg als Campus Hubland genutzt werden und Büroräume für viele der aktuellen Projekte der Universität Würzburg bieten. Eines der Ziele war, Hintergrundinformationen über ihre Zeit als EXIST-Projekt und Einblicke in die Investitionen zu erhalten, die sie in naher Zukunft tätigen sollten.

Dr. Sebastian Fritsch und Gunther Schorcht, die sich bei ihren Recherchen zum Aralsee zum ersten Mal trafen, griffen vor allem in der Planungsphase auf die Eindrücke ihrer Studienreisen zurück. Zum Beispiel wurden ihre Satellitenbilder während dieser Forschungsexpeditionen verwendet, um Veränderungen und Entwicklungen am Aralsee zu klassifizieren. Die Idee, dass die Bildklassifizierung in der Landwirtschaft zu einem kommerziellen Bereich wird, wurde bereits diskutiert, aber erst in Würzburg umgesetzt. Ausschlaggebend für die Gründung von Green Spin war jedoch das Interesse des Drittgründers Clemens Delatrée, das Projekt in ein Start-up zu verwandeln, dessen Initiativen mit Studienreisen begannen. Nach der Finanzierung durch das BMWi wurde in Zusammenarbeit mit dem IGZ Würzburg und dem Netzwerk Nordbayern ist die Geschäftsplanung gestartet.

Das Start-up-Unternehmen hat jetzt mehrere Kooperationen, nicht nur mit Bildungseinrichtungen, sondern auch mit größeren Industriepartnern und landwirtschaftlichen Betrieben. Die Nutzung dieser Satellitenbilder ermöglicht es Green Spin, Unternehmen und benachbarten Unternehmen Informationen darüber zu liefern, wie sich Pflanzen im Laufe der Zeit entwickeln werden, welche Wachstumsgrenzen am wahrscheinlichsten betroffen sind oder welche Auswirkungen bestimmte Pestizide haben. Die Vorhersagen können durch einen speziellen Auswertungsprozess, der die Reflexion der Sonnenstrahlen nutzt, berechnet werden, um bestimmte Diagrammbereiche für eine effizientere Verarbeitung zu nutzen.

Diese Informationen werden dann nicht nur berechnet, um den Ernteertrag der gesamten Farm effizienter zu machen, sondern auch, um beispielsweise Änderungen am Getreideaustausch besser vorherzusagen. Die Wettbewerbsvorteile des Angebotes an die einzelnen Nutzer liegen zum einen in schnelleren Übertragungsgeschwindigkeiten und der Übersichtlichkeit der Daten, die mittlerweile für die Auswertung der Erntebilder wichtig sind, zum Beispiel um die Kosten für Dünger zu senken oder die Landwirtschaft intelligent zu koordinieren Ausrüstung.

Eine große dänische Studie der Universität Kopenhagen fand heraus, dass Präzisionslandwirtschaft und kontrolliertes Verkehrsmanagement höhere Ernteerträge, bis zu 50% niedrigere Brennstoffkosten und eine Reduzierung der Arbeitsbelastung um fast 25% erzielten. Dies kann den Hektarertrag deutlich steigern. Bei Getreide zum Beispiel erhöht sich der Hektarertrag um 122 Euro.

Precision Farming wird nicht nur als "next level farming" verkauft, sondern bringt auch die wirtschaftlichen Vorteile, die die Landwirte benötigen. Es erkennt auch die größeren Faktoren an, die die Landwirte dazu veranlassen, die Präzisionslandwirtschaft wahrscheinlicher zu wählen, wie zum Beispiel: den Besitz des Landes und nicht das Pachten von Ackerland oder den Einsatz von Computern. Mit den beiden Programmen Softlayer und Deep Thunder verfügt IBM über eine Kombination, die über die notwendige Kapazität verfügt, um genau diese Precision-Farming-Bewertungen zu erreichen. All dies hat die Satellitentechnologie erreicht und macht jetzt sogar Drohnen für größere Datenmengen mit thematisch klassifizierten Bildern für die Ernte möglich.